Das Museum der Stadt Zagreb
Opatička 20
Zagreb
Tel. 00385 - (0)1 / 4851 361Öffnungszeiten
Dienstag, Mittwoch, Freitag: 10 – 18
Donnerstag: 10 – 22
Samstag, Sonntag: 10 – 14
Eintrittspreise:
10 Kn
www.mgz.hr
Ivo
Robić, die Stimme der kroatischen (und jugoslawischen) Estrade,
wäre heute erst 84 Jahre alt. Obgleich nur sieben Jahre seit
seinem ziemlich plötzlichen Tod vergangen sind, scheint es, als
hätte er uns seit langem verlassen, seit Jahrzehnten. In dieser
schnelllebigen Zeit, im Wettrennen um das Existentielle und
Materielle hat nur das „Heute, Hier und Jetzt“ Wichtigkeit, so
dass sich uns der Horizont das „Morgen“, worauf wir immer
geschworen haben, sich wenigstens deklarativ unserer
Aufmerksamkeit entzieht. Für den Blick auf das „Gestern“ bleibt
uns immer weniger Zeit. Deshalb ist es notwendig, dieses
„Wenige“ zu ergreifen und mit einer Aura zu schützen, die Wärme
und Emotionen ausstrahlt, um uns rechtzeitig das Herz zu
erwärmen, damit es nicht zu einem „Herz aus Eis“ wird, wie bei
den Typen in den Mythen der SF-Märchen über Mutanten und
verlorene Menschlichkeit.
Dies ist ein solcher Augenblick, eingefangen in der Monografie,
in der Ausstellung, in der CD zu dem Anlass. Der Augenblick ist
dem Menschen gewidmet, der zu einer Zeit gehörte, die zur
Station auf dem Weg in eine bessere Zukunft erklärt wurde! Wenn
dies stimmt, dann haben uns die unglaubliche Leichtigkeit von
Robićs Singen und seine offensichtliche Hingabe diesen Weg
erleichtert, womit er das internationale Liederbuch des Pops und
des heimischen Schlagers zu einem wesentlichen Bestandteil
unseres Alltags gemacht hat, und dies jahrzehntelang fast
exklusiv! Sie hinterließen außerdem in unserem kollektiven
Gedächtnis eine unauslöschliche Spur in dem Maße, dass wir heute
sicher und mit nicht geringer Erregung auf ihr zurückkehren. Wir
tun dies mit dem Gedanken, uns auf eine der Reisen zu begeben,
die uns das Recht geben zu glauben, dass es noch immer Hoffnung
für uns gibt.
Siniša Škarica
ÜBER DIE AUSSTELLUNGDie
Ausstellung Mr.
Morgen – Ivo Robić
stellt eine Fortsetzung des Ausstellungsprojektes Musiklegenden
dar, das mit der Ausstellung Dobro mi došel, prijatel - Viki
Glovacki
begonnen hat. Mit diesem Projekt will man in erster Linie das
Zusammentragen und Erhalten des materiellen und immateriellen
Erbes anregen, das nicht zur etablierten Kulturszene gehört, und
in dem sich zahlreiche Segmente der gesellschaftlich-politischen
Umstände sowie der kulturellen und künstlerischen
Errungenschaften widerspiegeln.In
den sechs thematischen Einheiten und drei „Intermezzi“ der
Ausstellung wurde das Leben und Wirken des Sängers und
Komponisten dargestellt, der in der kroatischen
Unterhaltungsmusik und Pop-Kultur der zweiten Hälfte des 20. Jh.
unauslöschliche Spuren hinterlassen hat. Die über 600 Exponate
aus dem Leben von Ivo Robić veranschaulichen ein Bild der
Gesellschaft, in der sein Lebensweg im Widerspruch zu den
proklamierten Grundsätzen der politischen Elite stand, ihr
jedoch gleichzeitig als Alibi diente, mit dem sie ihre Vision
des gesellschaftlichen Fortschrittes rechtfertigte. Andrerseits
wird ein Geflecht von Lebensumständen präsentiert, aus dem sich
der Welterfolg des Gymnasiasten aus Bjelovar entwickelte und zur
phänomenologisch intriganten Entstehung der kroatischen
Musik-Marke führte.Die
Ausstellung enthält mehrere Informationsebenen. Die erste
Informationsebene stellt Headlines - Zitate von Robić dar, die
seine Meinung zum betreffenden Thema zum Ausdruck bringen. Die
zweite Ebene umfasst die Hauptpräsentation (dreisprachig) mit
allgemeinen Informationen zum jeweiligen Thema. Die dritte
Informationsebene umfasst Texte, die sich mit dem Thema näher
auseinandersetzen und es in Themengruppen unterteilt. Eine nicht
geringe Zahl von gegenständlichen Präsentationen ist das
Ergebnis eines Versuchs, innerhalb der vorhin erwähnten Ebenen
ausreichend Informationen zu vermitteln, für die die Exponate
gewissermaßen Notizen darstellen. Die letzte, fünfte
Informationsebene stellt die Exponate als Informationsträger
dar. Innerhalb dieser Präsentation wurden, wo immer möglich,
Robićs Aussagen, Aussagen aktiver Teilnehmer oder
Zeitungsartikel benutzt, die das Ausgestellte als authentische
Kommentare beschreiben.Hinsichtlich
der Gestaltung der Ausstellung werden die thematischen Einheiten
auf den Paneelen in Form eines geöffneten LP-Albums mit einer
Schallplatte, die zum Teil aus der Hülle herausragt,
präsentiert. An der „Schallplattenhülle“ befinden sich
Gegenstände und an der „Schallplatte“ als Tonträger die
Hauptpräsentationen. Die beiden Themen – Schallplattengeschäft
und Samo jednom se ljubi
(Man liebt nur einmal) – rekonstruieren das ursprüngliche
Ambiente. Da der Schallplattenfundus von Robić außerordentlich
reich ist, wurde er innerhalb des „rekonstruierten“
Schallplattengeschäfts der Plattenfirma „Jugoton“ ausgestellt,
das 1964 in Zagreb in der Bogovićeva
ulica eröffnet wurde. Eine Einheit für sich bildet auch die
„Rekonstruktion“ die Zagreber Wohnung von Marta und Ivo Robić
in der Alfiervićeva
ulica 37. Im diesem Rahmen wurde das Thema Man liebt nur einmal
präsentiert und das Verhältnis der Ehegatten zueinander sowie
die Rolle von Marta Robić
als „Familienimpresario“ veranschaulicht.Als
musikalische Untermalung der Ausstellung dienen die von Robić
gesungenen Lieder. Da es sich um eine "Musikausstellung in sechs
Sätzen" handelt, wurden auch drei "Intermezzi" mit Exponaten
eingefügt, die die Ergebnisse der in den "Sätzen" dargestellten
musikalischen Wirkung von Robić
präsentieren. Als eine Coda (oder eine Art da capo) versetzt uns
der abschließende Teil der Ausstellung in die Karaoke-Version des Grill Rooms,
in der nicht Robić,
sondern die Besucher selbst singen.
Die
Eröffnung am 4 Juni 2007.Višnja Korbar, Đani
Stipaničev, Elvira Voća,Zdenka Vučković, Miro Ungar
und Toni KljakovićMr. sc. Maja Šojat - Bikić und
Damir Tomić
1. DIE LEBENSAUFGABE:
SINGEN
In Garešnica wurden am 14. Mai
1922 Marija, geb. Legin, und Stjepan Robić, Gerichtsschreiber,
getraut. Ihr erster Sohn Ivo wurde am 29. Januar 1923 geboren.
Ivo bekam noch zwei Brüder, Rajko und Miroslav. Die Familie
siedelte nach Bjelovar um, wo Ivo 1934 die Staatliche gemischte
Volksschule absolvierte.
Schon früh begann er zu singen, und im Gymnasium nannte man ihn
bald den „Bjelovarer Tino Rossi“. Wenn die Eltern über Ivos
Beruf nachdachten, sahen sie ihn immer als Arzt, Jurist oder
etwas in der Art… Aber es war absurd, über eine Musikkarriere,
über das Singen in Bars nachzudenken – Gott bewahre, niemals!
Das wäre eine Schande gewesen, nichtsnutzig.
Nach der Matura am Bjelovarer Staatlichen Realgymnasium ging er
1943 nach Zagreb. Eines Tages meldete er sich bei den Eltern mit
einem Telegramm: Sorgt Euch nicht, ich habe das Vorsingen beim
Radio bestanden. Morgen könnt ihr mich hören. Ich singe für
Mutter.2. VETERAN ALLER
UNSERER FESTIVALS
Fast ein halbes Jahrhundert, genauer 46 Jahre lang, nahm Ivo
Robić an allen kroatischen Festivals teil: von 1953 bis 1998.
Auf unserem ersten Festival, dem Wettbewerb um die beste
Tanzmelodie, am 6. Dezember 1953 in Zagreb, führte Robić mit
Rajka Vali alle Festivalkompositionen aus. Seitdem trat er auf
88 Festivals auf, verwirklichte etwa 150 Festivalaufführungen
und brachte den Autoren der Kompositionen an die dreißig Preise
ein. Er selbst nahm als Komponist mit 48 Kompositionen an allen
sieben unserer Festivals teil. Robić hat dabei nie seinen
Weltruhm ausgenutzt, um Bedingungen zu stellen, welche Lieder er
singen wird, sondern nahm ruhig und gelassen alles an, was man
ihm anbot.Zu seinen
größten Festivalerfolgen zählen die Interpretationen der
Kompositionen Ta tvoja ruka mala (Lj. Kuntarić – B. Chudoba;
Zagreb 53), Ako nećeš da
te ljubim (Lj. Kuntarić – B. Chudoba; Zagreb 56), Meštrovićev zdenac (V. Čaklec –
D. Britvić; Zagreb 60),
Podoknica Zagrebu (L. Županović; Zagreb 62), Golubovi (B. Mihaljević – D.
Britvić; Zagreb 64),
Zbog čega te volim (M. Bogliuni – S. Šelebaj; Zagreb 65), Mala djevojčica (M. Vandekar –
A. Ruben; Opatija 59),
Mužikaši (I. Robić – M.
Radušić; Krapina 66),
Vužgi (I. Stamać – P. Kanižaj; Krapina 67), Moja kala (I. Robić
– A. Dedić; Split 63) und Kukuruzi se njišu (P. Gotovac –
M.S. Mađer; Požega 69).Als
Festivalkomponist wird er uns am meisten in Erinnerung bleiben
wegen seiner im kaikawischen Dialekt vertonten Verse. Seine
Mužikaši wurden zum
Markenzeichen des Festivals kaikawischer Lieder in Krapina, wo
er 1998 seine Festivalkarriere beendete.3. DER WEG ZUM
WELTRUHMIvo
Robić ging 1955 erstmals in den Westen, in die bayrische
Provinzstadt Hof an der Saale, wo er in einem Nachtlokal sang.
Nach seiner Rückkehr war seine Popularität zuhause gestiegen,
und eine Delegation der bekannten Prager Plattenfirma Supraphon
wählte ihn während ihres Aufenthaltes in Belgrad 1956 aus, eine
Platte mit amerikanischen und tschechischen Titeln in englischer
Sprache aufzunehmen. So begannen seine Reisen zwischen Zagreb
und Prag. 1957 gastierte er mit dem Tanzorchester von Radio
Belgrad auf der Leipziger Messe und in Ostberlin.
Aber erst die Einladung zu einer Probeaufnahme bei der Hamburger
Polydor, einem Geschäftszweig für populäre Musik der angesehenen
Plattenfirma Deutsche Grammophon Ende 1958, markierte den Beginn
des Weges zum Weltruhm. Für Polydor hat er 28 Singleplatten
aufgenommen. Die erfolgreichsten entstanden in Zusammenarbeit
mit dem Produzenten, Arrangeur und Dirigenten Bert Kaempfert. In
nur einem Jahr bescherte Morgen ihm die Goldene Schallplatte der
Polydor und den Löwen von Radio Luxembourg. Auf der Skala der
bekanntesten Musikzeitschriften hielt Robić mit Morgen lange
eine hohe Position, und ließ Namen hinter sich, wie Frank
Sinatra, Nat King Cole, Paul Anka, Dean Martin und andere. Es
folgten Auftritte in der berühmten Perry Como Show der
amerikanischen Fernsehgesellschaft NBC, in der Ed Sullivan Show,
der Dick Clark Show und anderen sowie zahlreiche Tourneen durch
Europa, Nordamerika und Australien. 4. AUS DEM EIGENEN
NOTENHEFTIvo
Robić begann mit dem Komponieren bereits in der Staatlichen
Musikschule in der Gundulićeva ulica in Zagreb. Zu seinen
bekanntesten Kompositionen zählen Rodni moj kraju (1947), Srce,
laku noć (1954), Samo jednom se ljubi (1957 und Mužikaši (1966).Seine
Kompositionen schickte er an alle unsere Festivals. Die meisten
Kompositionen (39) schrieb er für das Festival kaikawischer
Lieder in Krapina (1966-1999), von denen einige einen Preis
erhielten: Daj, otpri
obločec (1. Preis der Fachjury, 1970), Tam
(II. Publikumspreis, 1979) und Regi, Regica (II.
Publikumspreis, 1982).
Robić komponierte mehrere Lieder, die der Stadt Zagreb gewidmet
waren. Für das Zagreber Festival schrieb er Noć u mom gradu
(1972), Beli Zagreb (1976) und Zagrebu (1979). Er versuchte sich
auch als Kinderliedautor. Für das TV-Festival Kinder singen 75 –
Domovino zdravo, zdravo, komponierte er Pozdrav Zagrebu.Die meisten
Verse für Robićs Kompositionen schrieben Mario Kinel, Milan
Doležal und Milan Krmpotić. Robić versuchte sich ebenfalls als
Verseschreiber für eigene Kompositionen: Rodni moj kraj und Primorski refren. Seine Verse
wurden auch von anderen Komponisten vertont: Mali Cvrčak
(Miljenko Prohaska),
Petar plete Petru petlju (Alfi Kabiljo) und Zimska bajka (Boris Sorokin).In Ivo
Robićs Nachlass wurden Notenhefte mit Liederskizzen sowie die
Skizze eines Musicals mit dem Arbeitstitel Podravina nach dem kaikawischen
Text des Dichters Krmpotić aus Koprivnica gefunden.5. DAS
SCHALLPLATTENGESCHÄFTDie
„Melodienfabrik“ im Land war Jugoton, die 1947 mit ihrer Arbeit
begann, indem sie die Schallplattenproduktionswerkstatt
Elektroton (gegründet 1937) übernahm. Bis Juli 1963 befand sie
sich in der Ilica 213, und am 11. September 1963 wurde die neue,
moderne Fabrik im Zagreber Stadtviertel Dubrava feierlich
eröffnet.Bis
1964 unterhielt Jugoton einen Laden mit Grammophonen und
Schallplatten in der Ilica 5, im Oktogon (der am 4. Dezember
1926 von Edison Bell Penkala eröffnet wurde; 1938 übernahm ihn
Elektroton und 1947 Jugoton, wo Robić die meisten seiner Platten
verkaufte). Ein neues Musikaliengeschäft für den Verkauf von
Schallplatten, Grammophonen, Radioapparaten und Musikautomaten
wurde am 4. September 1964 in der Bogovićeva ulica eröffnet. In
diesem nach Plänen des Architekten Vjenceslav Richter modern
eingerichteten Geschäft gab es acht Sitzplätze für das Abhören
der Schallplatten mit Hörern und zwei Kabinen, die für das
Abhören von Stereoplatten eingerichtet waren.Die
Auswahl der Schallplatten von Ivo Robić ist sehr groß und bietet
fast 25 Stunden Musik. Außer den 65 Schellackplatten (1949-1959)
hat Jugoton 18 Singleplatten von Robić (14 selbständige), 28 EPs
(11 selbständige) und 12 solistische LPs herausgebracht. Robić
hat auch zahlreiche Platten für Supraphon, Polydor, Laurie und
andere ausländische Schallplattenfirmen aufgenommen. Wie viel
Lieder er aufgenommen hat? Wir kamen bis zur Zahl 484.
Mehrmals war er Gast des Geschäftes, und am 16. April 1965 hielt
er anlässlich seines 20-jährigen Gesangsjubiläums eine
Pressekonferenz ab. Die Firma Jugoton hat zu der Gelegenheit
seine Jubiläumslangspielplatte herausgegeben. 1969 zeichnete die
Fabrik Robić mit dem Goldenen Vogel für eine Million verkaufte
Platten aus. In diesem Jahr waren auch genau 20 Jahre vergangen,
seit Jugoton die erste Platte von Robić aufgenommen hatte.
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Firma erhielt Robić
eine Plakette als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit für
die erfolgreiche geschäftliche Zusammenarbeit.6. MAN LIEBT NUR
EINMAL
Marta ist tatsächlich dieser Kamerad, den sich jeder fürs Leben
wünscht. Sie ist Teil meines Erfolges. Zu zweit war es für uns
immer leichter. Überall war sie gegenwärtig.Ivo
und Marta, die künftigen Weltreisenden, heirateten 1946. Sie
lebten als Untermieter auf dem Pantovčak. 1959 zogen sie in ihre
Zagreber Wohnung in der Mećarova ulica 37 (heute Alfirevićeva),
in der sie bis zum Ende ihres Lebens blieben. Marta nannte Ivo
Ivica oder Žižek, und er nannte sie Drago.Als
sie zu Weihnachten 1963 in ihre neue Villa in Ičići zogen,
fanden sie dort eine Oase der Ruhe und des Friedens. Nichten
selten fanden sich vor der Villa ausländische Touristen ein,
hielten ihre Autos an und baten um Autogramme. Sogar Busse
hielten an, ob man nicht eventuell Mister Morgen zu Gesicht
bekäme. Marta, eine Frau mit unerschöpflicher Energie und sehr
fleißig, hielt das Haus instand und kümmerte sich um Ivos
Karriere. Und er, ewiger Jüngling und Optimist, umsorgt von
seiner Frau, Liebhaber der Rosen und des Meeres, genoss die
Gesellschaft von Freunden, wenn er nicht arbeitete.Ivo
starb am 9. März 2000 im Krankenhaus von Rijeka und seine Marta
am 2. Januar 2007 im Zagreber Krankenhaus Rebro. Leider hat sie
die Ausstellung nicht mehr erlebt, deren Verwirklichung sie
durch ihre Schenkung an das Museum der Stadt Zagreb angeregt
hatte.7. KARAOKE GRILL ROOM